CDU-Wirtschaftsflügel will Recht auf Teilzeit einschränken
Massive Kritik kommt aus den Reihen des Beamtenbunds
Mit seriöser Wirtschafts- und Arbeitspolitik habe dieser Vorstoß nichts zu tun, erklärte dbb Bundesvorsitzender Volker Geyer am 26. Januar 2026. Kritisch äußerten sich auch Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, sowie Claudia Grimm, die Vorsitzende der BBW-Landesfrauenvertretung. Sie sprachen von einem Affront, der sich insbesondere gegen Frauen richte.
Mit deutlichen Worten bezog auch dbb Bundesvorsitzender Volker Geyer Position. Statt tragfähige Antworten auf Fachkräftemangel und Wirtschaftswachstum zu liefern, schiebe die CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Verantwortung auf die arbeitende Bevölkerung und diskreditiere Teilzeitarbeit, betonte er. Dass so viele Menschen in Teilzeit arbeiteten, habe handfeste strukturelle Gründe und nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Wer Fachkräfte sichern will, müsse die Rahmenbedingungen verbessern, statt Rechte einzuschränken.
Claudia Grimm, die Vorsitzende der Landesfrauenvertretung des BBW, stellte ergänzend fest: Der Teilzeitanteil bei Frauen sei aus gutem Grund um ein Vielfaches höher als der der Männer, auch im öffentlichen Dienst. Schließlich müssten insbesondere Frauen ihre Arbeitszeit an Care-Arbeitssituationen anpassen. Viele würden mehr Stunden und sogar früher wieder in Vollzeit arbeiten, wenn eine angemessene Kinderbetreuung angeboten würde. Aktuell seien aber weder die Verfügbarkeit, hinsichtlich der Kita-Plätze samt der Betreuungszeitfenster, noch die Kosten der Angebote so, dass Frauen ihre Erwerbstätigkeit selbstbestimmt und auch in Bezug auf die Bedingungen am Arbeitsplatz gesichert aufnehmen könnten. Claudia Grimm: „Wer schnell mehr Fachkräfte im öffentlichen Dienst braucht, sollte in Kinderbetreuung investieren, die bezahlbar und verlässlich ist.“
Ähnlich argumentierte auch Milanie Kreutz, die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende. Auch sie verwies auf den Zusammenhang zwischen Teilzeit und Sorgearbeit: „Fehlende Kitaplätze, unzureichende Betreuung von Schulkindern, mangelnde Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sowie schlechte Arbeitsbedingungen zwingen viele Frauen zur Reduzierung ihrer Arbeitszeit.“ Wer unbezahlte Sorgearbeit ausblendet, rechne sich seine Volkswirtschaft schön, erklärte die dbb frauen-Chefin.
Wie das Magazin „Stern“ im Januar 2026 berichtete, soll auf dem Bundesparteitag der CDU Ende Februar in Stuttgart ein Antrag mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" zur Abstimmung stehen. In diesem Antrag fordert die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) angeblich, dass für den Rechtsanspruch eine „besondere Begründung" vorliegen muss. Besondere Gründe könnten demnach die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger oder Weiterbildungen sein. Freiwillige Teilzeitarbeit ohne Betreuungspflichten hingegen soll es nicht mehr geben.
Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) wie auch Manuel Hagel, der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, wenden sich gegen den Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügel.
